Perspektivwechsel

Perspektivwechsel- ein Projekt, das Integration schafft

Auch dieses Jahr war das Projekt Perspektivwechsel wieder an der Realschule Aschheim zu Gast und die Schüler waren vor dem Betreten des Zimmers, in dem schon die Menschen mir Behinderung und ihre Assistenten warteten, wieder einmal ziemlich nervös. Begleitet von unseren Tutoren kamen sie mit mulmigem Gefühl zur Begrüßungsrunde und setzten sich so weit wie nur möglich weg von Rollstuhlfahrern! Obwohl nun zwei Klassen im Raum waren wurden alle ganz still, als Anita Donaubauer anfing zu sprechen. Nur sehr zögerlich trauten sich einige wenige, Fragen zu beantworten. Nachdem sie den Kindern kurz ihre verschiedenen Behinderungen erklärt hatten, forderten sie die Kinder auf, alle per Handschlag zu begrüßen und es herrschte sofort große Verunsicherung. Im Anschluss war die Stimmung deutlich gelöster und die Kinder waren jetzt bereit, in kleinen Gruppen ohne Angst in die einzelnen Stationen zu gehen!

Eine davon wurde von Werner geleitet, der mit 40 Jahren vollständig erblindete und den Kindern verschiedene Hilfsmittel vorstellte, die seinen selbstständigen Alltag erst möglich machen. Anschließend konnten die Kinder mittels Augenmasken selbst erfahren, wie es sich anfühlt, wenn man als blinder Mensch seinen Weg finden muss.

In der Gruppe zur Greifbehinderung wurden die Schüler vor große Probleme gestellt: mit Handschuhen, denen verschiedene Finger fehlten und durch Gummibänder an den Armen eingeschränkt mussten zum Beispiel Karotten geschält werden. So erlebten sie, mit welcher Anstrengung Menschen mit infantiler Cerebralparese jede Minute des Tages bewältigen müssen.

 

Weitergehende Informationen finden Sie unter der Homepage Perspektivwechsel.

 

Die Gesprächsrunde leitete Anita selbst. Die Schüler lernten, dass der Alltag von Menschen mit Behinderung nicht darin besteht, im Wohnheim zu sitzen, sondern dass sie genau wie sie selbst Bedürfnisse und Hobbies haben. Die Kinder hatten plötzlich ganz viele Fragen, die Anita alle offen und ehrlich beantwortete und so für viel Verständnis für die Probleme sorgte, die eine Behinderung mit sich bringt.

In der Turnhalle war ein Rollstuhlparcour aufgebaut, der verschiedene Hindernisse im Leben simulierte, wie etwa eine Bordsteinkante. Nachdem die Kinder gelernt hatten, wie man einen Rollstuhlfahrer richtig durch diese Hindernisse führt durften sie selbst paarweise mit dem Rollstuhl den Parcours durchlaufen.

In einer letzten Station versuchten die Schüler im Rollstuhl, gegen Deniz zu gewinnen. Trotz aller Anstrengungen war dies nicht wirklich möglich. Trotzdem sie wirklich viel Spaß dabei hatten und gar nicht mehr aufhören wollten erkannten sie schnell, wie viel anstrengender ein Leben im Rollstuhl ist!

Zum Abschluss trafen sich alle noch einmal gemeinsam in einem Raum und von der anfänglichen Scheu war überhaupt nichts mehr zu spüren. Ein Schüler beendete den Tag mit den Worten: „Ich fand es richtig gut, dass wir mal sehen konnten, wie schwierig ein Leben im Rollstuhl wirklich ist!“